Österreichs Musliminnen

Asma Aiad I Amani Abuzahra I Amena Shakir

Kaum ein anderes Thema bietet so viel Stoff für konträre Diskussionen wie die Auseinandersetzung mit der Frau im Islam -inzwischen ganz unabhängig ob mit oder ohne Kopftuch. Bereits in Überschriften für Statistiken oder bei Antwortmöglichkeiten bei Studien: Es wird viel über Musliminnen gesprochen, selten aber wird ihnen die Möglichkeit gegeben, sich selbst darzustellen oder Fragen zu beantworten.

Genau diese Ausgangsstellung war die Grundlage für das Projekt „ÖSTERREICHS MUSLIMINNEN“. Mit 35 Portraits und Lebensgeschichten ist dieses Projekt ein weiterer Schritt, um Menschen für Diversität zu sensibilisieren und Klischees über das starre Bild „der“ Muslimin in Frage zu stellen. Erst wenn in den Köpfen das eine Bild über die muslimische durch viele neue Bilder sehr unterschiedlicher Frauen ersetzt wird, kann ein Beitrag zum Abbau von Stereotypen und Klischees erfolgen.

Die Ergebnisse des Projekts sind vielfältig und lassen sich nicht in wenigen Worten zusammenfassen - sie weisen allerdings darauf hin, dass es die typische Muslimin offensichtlich nicht gibt. Die Lebenswelten der Frauen, die im Rahmen von „ÖSTERREICHS MUSLIMINNEN“ zu Wort kommen, weisen die gleiche Diversität auf, wie Frauen anderer Religionen und Weltanschauungen in einer komplexen, multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft. Methodische Zugänge bietet

uns vor allem die feministische Standpunkttheorie. Diese betont ausdrücklich die starke Objektivität, wenn marginalisierte oder gar unterdrückte Gruppen im Rahmen von Untersuchungen und Studien selber zu Wort kommen. Schließlich bereichern sie die Forschung mit ihren Erfahrungen und persönlichen Erlebnissen und machen einen generalisierenden Standpunkt unmöglich, dieser wird der gelebten Diversität nicht gerecht.

Es handelt sich dabei um Frauen, die in ihren jeweiligen Bereichen Expertinnen sind: Bildung, Kunst, Mode, Medien, Sport, Musik, Journalismus, Medizin. Es sind Musliminnen, von denen sich einige in jungen Jahren im Kreis der Familie für den Islam entschieden haben, andere hingegen haben erst im Laufe ihrer Lebensgeschichte durch den Lebenspartner oder durch bestimmte Erlebnisse und Erfahrung zum Islam gefunden. Sie sind mehrheitlich in Österreich geboren und aufgewachsen oder haben nach vielen Stationen ihren Lebensmittelpunkt in Österreich gefunden. Egal ob Mutter, Ärztin, Lehrerin oder Sporttrainerin – jede von ihnen hat ihre eigene, besondere Geschichte zu erzählen.

Die porträtierten Musliminnen haben ganz unterschiedliche Hintergründe und sind in sehr vielfältigen Kontexten präsent. Diese Vielfalt ist im gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang oftmals unsichtbar und unterliegt zunehmend einer Simplifizierung in polarisierenden Diskussionen. Das Fotoprojekt „ÖSTERREICHS MUSLIMINNEN“ will bewusst gegen diese „Unsichtbarkeit“ antreten und das Bild über d i e muslimische Frau mit v i e l e n unterschiedlichen Bildern über Musliminnen in einer Weise bereichern, die der tatsächlichen Vielfalt gerechter wird.

Dabei sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Unsere Fotografin Asma Aiad hat jede einzelne der interviewten Frauen in genau dieser Umgebung portraitiert, die sie besonders prägt – sei es durch ihren Beruf oder durch ihr Hobby. Ihr aufwendiges und einfühlsames Fotoshooting betont einzelne, bedeutsame Aspekte der Persönlichkeit und der Identität jeder Frau. Zusammen ergeben die Fotos ein kunstreiches und aussagekräftiges Mosaik vieler unterschiedlicher muslimischer Frauen in Österreich, einer Realität, die in der Forschung zu wenig berücksichtigt wurde.

Das Fotobuch „ÖSTERREICHS MUSLIMINNEN“ wird durch begleitende wissenschaftliche Beiträge der Philosophin und Dozentin Mag.a Amani Abuzahra über die Vielfalt der Identitäten der muslimischen Frauenwelt in Österreich ergänzt. Die Islamwissenschaftlerin Mag.a Amena Shakir liefert den theologischen Rahmen für das Buchprojekt „Österreichs Musliminnen“. Die Gleichheit von Frauen und Männer lasse sich sehr wohl in den ursprünglichen Quellen des Islams belegen. Die Theologin beschreibt in ihrem Beitrag, wie eine erneute Lesung des Korans zu einem gänzlich anderen Frauenbild führen kann, als viele – auch Musliminnen – es bisher hatten.