#DieKopftuchdebatte. Das Kopftuch meldet sich zu Wort.

Das Kopftuch ist aus dem Winterschlaf erweckt worden - trotz Minusgrade - und meldet sich zu Wort. Also hört gut zu!

Fotocredit: Salma StephAnie Abidi

Fotocredit: Salma StephAnie Abidi

 

Sodala, ich hoffe ihr alle da draußen hattet jetzt genug Spaß und Zeit, solange über Kopftuchverbot hin oder her, welcher Raum davon betroffen wäre, Gründe warum Musliminnen Kopftuch tragen und was auch immer, zu diskutieren.

Ich sehe ja die Diskussion ist wieder sehr hitzig geworden und wiedermal mit tollen Argumenten *SarkasmusOn* und vielen Beteiligten.

Schön, dass ihr euch alle so um mich bemüht und kümmert und alle für mich sprechen wollt, aber niemand tatsächlich meine Meinung interessiert.

Ich beginne das mal ganz traditionell, wie es alle bis jetzt gemacht haben, und erkläre 'das Kopftuch'.

Das Kopftuch, kommt aus dem Deutschen von den Wörtern Kopf und Tuch.

Menschen geben, wickeln, binden sich ein Tuch auf/um den Kopf, in ganz unterschiedlichen Kreationen. Daher kann das Tuch ganz unterschiedlich ausschauen. In unterschiedlichen Farben, Stoffen, Bindearten und dementsprechend kann man das ganz unterschiedlich wahrnehmen.

Das Kopftuch wird von ganz vielen Menschen getragen. Von Superstars wie Grace Kelly in ihrem Vintage Look, über Ikonen wie Rihanna mit ihrem Nude Look wofür sei ausgezeichnet wurde, bis zu Legenden wie Amy Winehouse in ihrem berühmten Bandana Kopftuch ( R.I.P Amy).

 

Das Kopftuch ist auch ein Teil vieler traditioneller Kleidungen, wie bei uns vor einigen Jahren am Land, oder wie bis heute zu indischen oder pakistanischen Kleidungen eine Duppatka dazugehört, oder das in vielen arabischen Ländern von Männern getragene Kopftuch, genannt auch Kufiye oder Ghuttra.

Aber lang genug geredet. Um das geht es alles nicht.

 

Wenn wir diskutieren oder reden geht es nur um das eine. DAS VON MUSLIMISCHEN FRAUEN GETRAGENE KOPFTUCH. 

TAN, TAN, TAN, TAAAA!!! *Dramatische Musik*

Und ich trage auch eins!

Zuerst einmal:

Ich trage das Kopftuch nicht aufgrund irgendeiner Symbolik, noch ist es ein Zeichen des Islamismus oder einer anderen Bedrohung.

Um das ganze auch ziemlich klar geäußert zu haben: Nein, unter meinem Kopftuch trage ich keine Bombe. Nein, diese Nadeln im Tuch sind keine Gefahr für die Öffentlichkeit (außerdem sind sie gar nicht mehr IN, man trägt jetzt Magnete keine Nadeln mehr). Und nein, ich möchte mit meinem Tuch keiner Menschenseele etwas Böses antun (und an alle Tierfreunden da draußen: auch keinem Tier oder sonstigem Lebewesen).

Ich trage mein Kopftuch auch nicht um Männer nicht in Versuchung zu bringen, denn die sollen sich selbst zusammenreißen.

Trotzdem habe ich mich entschieden ein Kopftuch zu tragen, ja selbst und frei.

Ja, ich entscheide mich jeden Tag aufs Neue wie viel ich heute von meinem Körper zeige. Und jeden Tag entscheide ich mich aufs Neue mehr oder weniger zu zeigen.

Und ja, jetzt bei den Minusgraden würd ich am liebsten gar nichts herzeigen, dafür gibt es andere Tage, wo es anders ausschaut.

Aber weißt du was? Das geht niemanden was an! Ganz schlicht und einfach niemanden! Wann ich was wo und wie viel herzeige, das geht einfach niemanden etwas an!

Das müssen einige da draußen lernen. Sie müssen lernen, dass sie damit leben müssen, dass wir in einer liberalen, pluralistischen und säkularen Gesellschaft leben. Genau das was sie mir als Muslimin immerwieder vorwerfen zu leben, genau das praktizieren sie selbst nicht.

Pluralistische Gesellschaft bedeutet nämlich, dass ganz viele unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Lebensstilen zusammenleben können und das erwünscht ist.

Eine liberale Gesellschaft, wo die Freiheit des Individuums gewahrt wird, und somit auch meine.

Eine säkulare Gesellschaft, wo nicht unterschieden wird zwischen einer „historisch gewachsenen Kultur“ und einer ihrer Meinung nach keiner.

Und um das geht es hier. Und das müssen ganz viele verstehen. All diese Werte unserer Demokratie müssen wir nochmal erklären und Menschen beibringen und vorleben.

Deshalb finde ich es nur begrüßenswert, wenn eine Muslimin mit Kopftuch im Klassenzimmer steht und unterrichtet, denn sie lebt genau diese Werte vor. Sie lehrt eine neue Generation, dass es total egal ist, wie mensch ausschaut, wie mensch sich kleidet, wie mensch lebt oder liebt, sondern dass es tatsächlich nur um den Menschen geht, der respektiert wird.

Egal wie er ist. Ob er so ist wie ich oder eben nicht so ist wie ich.

Daher finde ich es unbedingt notwendig, dass noch mehr Vielfalt im öffentlichen Raum sichtbar wird, denn erst dann können wir viele Probleme wie Rassismus, Diskriminierung, Homophobie, Ausgrenzung u.v.m. in unserer Gesellschaft beheben und etwas dagegen tun.

Erst dann können wir von wirklichen Vorbildern reden, die die unterschiedlichen Bilder unserer Gesellschaft vorleben.

Und auch ich bin ein Bild davon.

Auch ich bin ein Vorbild.

Und nicht nur ich sondern ganz viele andere.

Mit unserem Kopftuch.

Ein Kopftuch meldet sich zu Wort.

Ende.